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Der Lyriker Michael Starcke ist seit vielen Jahren eine wichtige Stimme im Konzert der gegenwärtigen Ruhrgebietsliteratur. Seit seiner Schulzeit an der Theodor-Körner-Schule in Bochum - Dahlhausen schreibt er Gedichte, und seit den späten siebziger Jahren publiziert er sie. Michael Starcke stammt aus Erfurt, ist aber schon als Kind im Ruhrrevier gelandet und hier längst literarisch verwurzelt.

 

Mehr als zwanzig Gedichtbände sind es inzwischen, die alle zeigen, wie nah sich beide sind, der Lyriker Starcke und die Welt, in der er lebt, arbeitet und schreibt. Diese Welt weist zwar auf metaphorische Spielräume, ist aber zugleich ganz real und überhaupt nicht unpolitisch. Wenn Starcke seine Welt beschwört, so tut er dies leise im Ton, aber unmissverständlich in der Sache, denn Verschlüsselung und hermetische Verrätselung sind nicht sein Ding. Auf Schritt und Tritt begegnet der Leser der Banalität des Alltags, die man liebt und der man nicht entkommen kann. Da sind die Häuser vor seinem Fenster, der morgendliche Bahnhof, Haltestellen, Gleise und Züge, der Garten des Pfarrers, eine einfache Haustür, ein paar Treppenstufen, ein Kirchturm. In diese Welt platziert der Autor seine traurig-schönen, schwermütigen Gedanken, gefasst in Worte, die den Leser auch dann noch begleiten, wenn er das Buch schon aus der Hand gelegt hat.

 

Am 19. Dezember 2009 wird Michael Starcke sechzig Jahre alt - ein gutes Datum, um Dank zu sagen für ein Werk, in dem es keine Rollenspiele, keine Masken gibt. Ein Werk, dessen Autor häufig von der Befindlichkeit des Menschen spricht, der sich seiner fragwürdigen Existenz vergewissert, sich ihrer rückversichert, der vorsichtig Bilanz zieht, nicht selten vom Abschied spricht oder doch vom Älterwerden und von dem, was bleiben mag.

 

Die Beiträge, die wir hier versammelt haben und für die wir uns ebenfalls herzlich bedanken möchten, stammen von Freundinnen und Freunden des Lyrikers, von Kolleginnen und Kollegen, von Menschen, die sich seinem Werk verbunden fühlen. In drei Abteilungen haben wir die Beiträge angeordnet: Den Anfang machen literarische und künstlerische "Zueignungen"; unter dem Begriff "Interpretationen" folgen Beiträge, die sich mit Starckes Werk beschäftigen; die dritte Abteilung sammelt Erinnerungen an "Begegnungen" mit dem Autor.

 

Beleg für Michael Starckes stattliches lyrisches Werk liefert eine umfangreiche Bibliographie, die vom Westfälischen Literaturarchiv in Münster zusammengestellt wurde, also von der Institution, die den Werkvorlass des Lyrikers aufbewahrt und pflegt. Aus diesem Werkvorlass stammen auch die Briefe von Hans Bender und Reiner Kunze, die wir hier mit Genehmigung der beiden Autoren publizieren. Die abschließenden Kürzbiographien der Beiträger unterstreichen noch einmal die Vielfalt der Beziehungen, die, ausgehend von Michael Starckes Werk, geknüpft werden konnten. Die schönen Illustrationen von Ro Hose- Vlis greifen jeweils Titel seiner Gedichte auf und begleiten den Leser durch die Abteilungen des vorliegenden Buchs.

 

Bochum im Sommer 2009

 

Hugo Ernst Käufer                                                                         Rainer Küster